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Lehrgangsbericht: Sensei Sugimura in Donaueschingen, 11.02.2017

Lehrgangsbericht: Sensei Sugimura in Donaueschingen, 11.02.2017

Am Samstag, den 11. Februar 2017 fand ihn Donaueschingen ein Lehrgang mit Sensei Koichi Sugimura (8. Dan JKA), dem Chiefinstructor der Swiss Karate Federation, statt, an dem auch wieder – wie schon seit vielen Jahren - Michael Niersberger, vom Wetzgauer Trainer Team teilnahm, welchen mit Andelko Kristic, dem Cheftrainer des Karate-Dojo Imota, eine bereits jahrzehntelange Freundschaft verbindet.

Sensei Sugimura begann sein Training diesmal mit einer Begrüßung im Stehen (Ritsu-Rei), anstatt - wie sonst beim traditionellen Karate üblich - im Kniesitz. Er entschuldigte sich dafür bei den Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern und erklärte, dass er derzeit unter ein paar körperlichen Beschwerden leide und auch sein fortgeschrittenes Alter leider zunehmend spüre (der Karate-Meister wird in wenigen Wochen immerhin 77 Jahre alt!). Er meinte, dass wenn man schon lange Zeit Karate betreibt, es immer wieder Phasen gebe, in denen man verletzt oder altersbedingt körperlich ganz einfach eingeschränkt sei. Doch dafür, so der Karate-Meister, solle man sich nicht schämen. Auf keinen Fall solle man resignieren und sich zurückziehen, sondern weiter trainieren, sich bemühen und beharrlich, nach seinen individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten, weitertrainieren bzw. – sollte man Trainer sein – Karate weiter vermitteln. „Selbstachtung ist beim Karate sehr wichtig“, meinte er in diesem Zusammenhang. Bei den anschließenden, vorbereitenden Kihon-Übungen, die der Großmeister demonstrierte und auch teilweise mitmachte, war von seinen oben erwähnten Einschränkungen dann kaum etwas zu erkennen…

„Sugi-Sensei“ legte in seinen beiden Trainingseinheiten großen Wert auf saubere und gleichzeitig starke, effektive Karate-Techniken. Das korrekte Üben der Kata ist für ihn – neben dem Gesundheitsaspekt und dem Entwickeln eines entsprechenden Bewegungs- und Körpergefühls - immer auch ein hervorragendes Selbstverteidigungstraining. Denn „einen Aggressor kaputt zu machen“ sei schließlich der ursprüngliche Sinn des Kata-Trainings gewesen. Ein wenig kritisierte er manche Kata-Vorführungen, wie sie heute oftmals auf Wettkämpfen dargeboten werden. Er habe zwar großen Respekt vor der sportlichen Leistung der Athletinnen und Athleten, vermisse aber oftmals den Bezug zum „Bunkai“, zur kampfbezogenen Anwendung. Gehe der kämpferische Aspekt in der Kata jedoch verloren, so werde Kata zu einer Art bloßer „Fitness-Gymnastik“. Es sei darum wichtig, sich mit dem Sinn der Kata-Bewegungen auseinandersetzen und zu überlegen, welche kämpferische Bedeutung sie haben.

Neben einigen interessanten stilfremden Elementen aus dem Wado-, Shito- und Goju-Ryu ließ Sensei Sugimura zahlreiche Kihon-Kombinationen üben, bei denen er besonders auf die detaillierte Ausführung achtete, um u.a. das eigene Körpergefühl (aufrechte Haltung, Koordination, Körperspannung usw.) sowie das Gefühl für die Technik (Krafteinsatz, Muskelspannung, Atmung usw.) zu trainieren.

Karate-Do ist für Sensei Sugimura „Budo“: „Budo heißt für mich Kampfgeist. Und dieser ist im Leben wichtig, auch wenn man heutzutage i.d.R. ja zum Glück nicht mehr mit einem Angreifer um Leben und Tod kämpfen muss.“ Trotzdem dürfe man den „Budo-Geist“ niemals vergessen. Es liege in der Verantwortung der Trainer und hohen Dan-Träger, diesen zu pflegen und an die nachfolgende Generation weitergeben.

„Sugi-Sensei“ berichtete, er habe in seinem Leben und während seiner vielen Trainer-Tätigkeiten viele Sportarten gesehen; gerne vergleiche er diese mit Karate, suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Auf der geistigen Ebene habe er dabei festgestellt, dass Karate-Sportlerinnen und –Sportler in der Regel „ernsthafter“ seien. „In anderen Sportarten unterhalten sich die Sportlerinnen und Sportler oft vor und sogar während des Trainings, machen Witze oder beschimpfen sich gar gegenseitig, wenn etwas nicht so gut läuft - oder sie trinken ungeniert während des Trainings, unterbrechen den Trainingsprozess einfach. Karatekas dagegen verhalten sich normalerweise ruhiger. Vor dem Training sprechen sie zwar durchaus auch miteinander, aber nicht selten machen sie parallel dazu schon leichte Aufwärmübungen, bewegen und dehnen sich dabei ein wenig. Und spätestens, wenn der Trainer (Sensei) mit dem Training beginnt, sind sie still und konzentrieren sich auf das, was kommt.“

Diese Haltung finde er sehr gut: „Vor und nach dem Training soll man ruhig fröhlich sein und Späße machen, denn es ist selbstverständlich auch sehr wichtig, mit seinen Sport-Kameradinnen und -Kameraden zu kommunizieren, um das soziale Miteinander zu im Dojo pflegen. Doch sobald man den Karate-Gi anhat, muss man ernst werden. Wir müssen beim Karate schließlich ständig konzentriert und aufmerksam sein, müssen auf unseren eigenen Körper, aber auch auf unsere Trainingspartner achten. Außerdem erfordert Karate eine gewisse geistige Einstellung. Wir arbeiten beim Karate ja schließlich an Körper und Geist.“ Nehme man all dies nicht ernst, so entwerte man das Karate-Training, nehme sich letztlich selbst nicht ernst und verliere somit seine eigene Würde. Sensei Sugimura wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man nicht vergessen dürfe, dass Karate auch „Lebensfreude“ bedeute.

Bei seinen Kumite-Übungen legte Sugimura-Sensei das Augenmerk auf starke "Ippon-Techniken". Er verlangte, dass man sich bei den Konter-Techniken stets bewusst machen müsse, dass es das ursprüngliche Ziel beim Karate gewesen sei, den Gegner mit einer einzigen Aktion kampfunfähig zu machen. „Großmeister Gichin Funakoshi hat, als er das Shotokan-Karate entwickelte, gerade auf diesen Aspekt sehr großen Wert gelegt und stets die besondere Bedeutung des Kimé betont.“ So sei es wichtig, dass man sich vorstelle, mit seinen Techniken in den Gegner quasi „einzudringen“. Ausdrücklich empfahl Sensei Sugimura das Makiwara-Training bzw. das Training am Sandsack oder an Schlagpolstern/ -pratzen, um „seine natürlichen Körper-Waffen abzuhärten und zu schärfen sowie ein Gefühl für den Kontakt zu entwickeln."

Doch gleichzeitig, so „Sugi-Sensei“, dürfe man selbstverständlich niemals vergessen, dass Karatekas auch „Gentlemen“ bzw. „Ladys“ seien. Es verbiete sich aus diesem Grund, den Sportkameraden/ die -kameradin zu verletzen; bei allem wünschenswerten Einsatz und „Budo-Geist“ stehe der Schutz der Unversehrtheit sowie die Kontrolle über die eigene Technik an oberster Stelle. „An Kampfkünsten, bei denen ein anderer absichtlich niedergeschlagen und schwer verletzt wird, habe ich kein Interesse", solche Kampfsportarten seien in Wahrheit sehr primitiv, so Sensei Sugimura.

Fazit: Eine überaus lehrreicher Veranstaltung mit einem Sensei bzw. Shihan, der durch seine Karate-Fähigkeiten, sein großes Wissen, seine Lebenserfahrung aber auch seine positiven menschlichen Eigenschaften in gewohnter Weise beeindruckte.

 

 

Nach den beiden überaus lehrreichen Trainingseinheiten ließ man den Lehrgang schließlich in geselliger Runde noch in einem nahegelegenen China-Restaurant gemütlich ausklingen und genoss das vorzügliche Büffet sowie die freundschaftlichen Gespräche und den kameradschaftlichen Austausch mit anderen Karatekas.